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Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Initiative HISTORISCHE LERNORTE SENDLING und wird gefördert vom Beziksausschuss 6, Sendling, München, Deutschland, Germany
 

 David Mayer

David Mayer
DAVID MAYER

David Mayer, Kaufmann, geboren am 15. Mai.1873 in Kitzinger/Main

David und Natalie Mayer haben 1909 in Heilbronn geheiratet und sind nach Rosenheim gezogen, wo im Dezember 1909 ihr Sohn Alfred geboren wird - der im Juni 1936 in die USA, nach Chicago, emigrieren kann.

Am 18. Juni 1924 ziehen sie nach München, in die Kyreinstraße 3/II.

Hier leben sie, bis sie am 5. Januar 1942 die Wohnung verlieren und ins Internierungslager Clemens-August-Straße 9/0 umziehen müssen.

David Mayer betreibt seit 1927 eine Agentur für Tabakwaren in der Kyreinstraße 3/II. Außerdem vermietet er einige Zimmer der 4-Zimmer-Wohnung. David Mayer kommt nach der "Kristallnacht" in ein Konzentrationslager in Würzburg. Die Agentur für Tabakwaren wird zum 22.12.1938 abgemeldet.

Das Ehepaar bezieht jetzt "Kleinrentnerfürsorge". Sie zahlen 88,- RM Miete für sie und haben, laut Gewerbeamt, fünf Juden untergebracht, von denen sie 119,- RM Miete einnehmen würden.

Das Gewerbeamt will das unterbinden: Zum Teil handle es sich dabei um Juden, die aus anderen Orten nach München geflüchtet seien. Die Bezirksinspektoren meinten dazu, diese Vermietung sei gewerbsmäßig, und erklärten kategorisch: "Dieses ‚jüdische Flüchtlingslager' kann in dem Anwesen nicht geduldet werden." Über die Dauer der Untervermietung befragt, berichtete die Bezirksinspektion, dass Frau Mayer bereits seit 1929 zwei Zimmer untervermietet habe. Die Vermietung weiterer Zimmer sei ihr von den Beamten der Bezirksinspektion sofort untersagt worden. Weiteren Druck - etwa über den Hausbesitzer - auszuüben, war nicht möglich, da das Haus einem im Ausland befindlichen Juden gehörte. Daraufhin trug das Gewerbeamt im Januar 1939 die Gewerbeanmeldung der Zimmervermietung für Natalie Mayer rückwirkend zum Jahr 1929 nach und belegte sie wegen "gewerblicher Schwarzarbeit" mit einer Strafgebühr von 30,20 RM. Ihr Ehemann informierte das Gewerbeamt, die Untervermietung in seiner Wohnung sei seinerzeit allen zuständigen Stellen bekannt gegeben worden, ohne dass das Amt Einwendungen erhoben hätte . Daher bitte er, von der Erhebung einer Strafgebühr abzusehen. Als das Gewerbeamt auf der Rechtmäßigkeit seiner Entscheidung beharrte, setzte sich schließlich auch die Israelitische Kultusgemeinde für die Familie Mayer ein: Frau Mayer sei hilfsbedürftig, der Ehemann habe eine Kleinrente von lediglich 68.- RM bezogen, die dann durch die Verordnung vom 19.11.1938 weggefallen sei. Den Lebensunterhalt bestreite das Ehepaar durch Verkauf von Möbeln aus seinem Besitz, und es müsse laufend von de r Kultusgemeinde unterstützt weden. Auch diese Eingabe half nicht, das Gewerbeamt blieb bei seiner Entscheidung.
Im Juni 1939 berichtet die Bezirksinspektion dem Gewerbeamt, Frau Mayer habe immer noch zwei Zimmer an zwei allein stehende Jüdinnen für je 25,- RM "aus wirtschaftlichen Gründen" vermiete t. Das Gewerbeamt befand nun plötzlich, die Untervermietung sei nicht gewerbsmäßig, da sie an Dauermieter und nicht mehr an "Passanten" erfolge . Frau Mayer sei daher zur sofortigen Gewerbeanmeldung zu veranlassen. Frau Mayer hatte nie an Passanten vermietet. (zit. nach Wolfram Selig)

Am 16.Juli.1942 werden Natalie und David Mayer gemeinsam mit ihrer verwitweten Schwester nach Theresienstadt und am 19.September 1942 ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.




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